Regionaler Masterplan A40|B1
Die interkommunale Initiative der Städte „von Moers bis Unna“ hat sich zum Ziel gesetzt, einen „Regionalen Masterplan“ für den Stadt- und Verkehrsraum entlang des Ruhrschnellweges zu erarbeiten. Beteiligt sind die Städte Moers, Duisburg, Mülheim an der Ruhr, Essen, Bochum, Dortmund und Unna mit Holzwickede. Im Fokus ihres gemeinsamen Interesses steht eine identitätsstiftende Entwicklung und Gestaltung der zentralen Verkehrsachse, um die regionale „Erfahrbarkeit“ der Metropolregion Ruhr zu stärken. Dies erfolgt zu dem Zweck, die Funktion des Stadtraumes entlang des Ruhrschnellweges als „Schaufenster“ der Region zu verbessern. Die historische Bedeutung, die zentrale Lage und die Standortpotenziale an diesem Raumband unterstreichen die gemeinsame Entwicklungsambition der acht Städte.
Für viele Menschen im Ruhrgebiet ist der Ruhrschnellweg alltäglicher Transitraum. Aufgrund der wichtigen Verbindungsfunktion des Ruhrschnellweges, der Vernetzung von lokalen Wohn-, Lebens- und Arbeitsumfeldern erweist sich das Streckenband A40|B1 als essentiell für das Leben in der Metropolregion. Die Straße dient hierbei nicht nur der verkehrstechnischen Verknüpfung zwischen den Zentren und den peripheren Lagen der einzelnen Städte des Ruhrgebietes, sondern bündelt ebenso eine Vielzahl neuer „Zentren“ der Region, einige der Einkaufs- und Freizeitzentren und wichtige Wissenschafts- und Kulturzentren. Aufgrund dieser hohen Vernetzungs- und Abbildungsfunktion hat die Verbindungsader neben seiner großen faktischen auch eine hohe symbolische Bedeutung. Entlang des Ruhrschnellweges werden vielfältige Einblicke in die Metropolregion Ruhr gewährt, wie sie sich beiderseits des Verkehrsbandes abzeichnen. Die Straße dient in diesem Sinne als „Schaufenster“ der Region. Damit erhält der Verkehrs- bzw. Stadtraum entlang dieser Verbindungsachse eine besondere Rolle sowohl zur Imagebildung für die überregionale Außendarstellung der Metropole Ruhr als auch für die Stiftung lokaler Identität für die ansässige Bevölkerung.
Mit einer Streckenauslastung in Spitzenzeiten von mehr als 100.000 Fahrzeugen am Tag erweist sich das Verkehrsband gegenwärtig als eine der höchst frequentierten Verkehrsstraßen Deutschlands. Gleichzeitig stößt das derzeitige Verkehrsaufkommen – wie die alltäglich auftretenden Staubildungen veranschaulichen – an die Belastbarkeitsgrenzen der Autobahn. Zur Optimierung des Verkehrsflusses wird in den nächsten Jahren seitens des Straßenbaulastträgers „Straßen.NRW“ eine Reihe von Sanierungs- und Erneuerungsvorhaben an der zentralen Verkehrsader durchgeführt. Geplant ist in einzelnen Streckenabschnitten der sukzessive Ausbau der Autobahntrasse von vier auf sechs Fahrstreifen zwischen den Städten Duisburg und Unna. Damit verbindet sich die Hoffnung, den Abfluss des prognostizierten, weiterhin ansteigenden Verkehrsaufkommens auf zirka 130.000 Fahrzeuge pro Tag besser bewältigen zu können.
Der Ausbau der Straße wird sich gravierend auf den angrenzenden Stadtraum auswirken. Schon gegenwärtig grenzt in vielen Lagen die Stadtstruktur unmittelbar an den Ruhrschnellweg. In diesen Streckenabschnitten wird die 40 Meter breite Anbauverbotszone parallel zum Streckenverlauf nicht eingehalten. Mit dem Ausbau wird eine Vielzahl weiterer Standorte an dem Ruhrschnellweg freigelegt werden. Im Rahmen der Modernisierung des Ruhrschnellweges werden neben dem Trassenausbau ebenfalls verschiedene Maßnahmen im Straßenraum erforderlich, wie die Neuerstellung und Sanierung verkehrstechnisch notwendiger Ingenieurbauwerke und -anlagen – einschließlich der Lärmschutzmaßnahmen entlang des Straßenbandes.
Im Zuge der anstehenden Baumaßnahmen an dem Streckenband kommt erschwerend hinzu, dass an die Erneuerung der Schallschutzmaßnahmen erhöhte Anforderungen zur Einhaltung schalltechnischer Immissionswerte in Gebieten mit lärmsensiblen Nutzungen gestellt werden. Um eine Überschreitung der geltenden Grenzwerte zu verhindern, bedarf es beispielsweise in Wohngebieten regelmäßig der Errichtung einer Lärmschutzwand mit einer erforderlichen Höhe von mindestens sechs Metern. In der Folge wird der Ausbau von innerstädtisch gelegenen Bundesfernstraßen in Zukunft damit verbunden sein, dass der Straßenraum flankierend durch eine zirka zweigeschossige Bebauung in Form von Schallschutzwänden oder -wällen begleitet wird.
Durch diese Maßnahmen wird die abschottende Wirkung zu dem angrenzenden Stadtraum erheblich verstärkt werden. Als Folge des sechsstreifigen Ausbaus des Ruhrschnellweges würden nicht nur die Verkehrsteilnehmer mit Tunnelblick an den Kernstädten der Metropolregion vorbeigeleitet – ohne Blickbeziehungen zum angrenzenden Stadtraum. Ebenfalls würde die Trennwirkung zwischen angrenzenden Stadtquartieren durch den Ruhrschnellweg erheblich verstärkt.
Um dieser Tendenz entgegenzuwirken und die Erfahrbarkeit der regionalen Stadtlandschaft zu erhalten, soll mit dem Regionalen Masterplan aufgezeigt werden, wie die an der Straße vorzufindenden Raumbilder der Region in Szene zu setzen sind. Um eine Bildung von Identität stiftenden Raumsequenzen zur Repräsentation der Metropolregion Ruhr herbeizuführen, reicht das Aufgabenspektrum zur Entwicklung des Masterplans weit über die bloße städtebauliche Betrachtung des Stadt- und Verkehrsraumes hinaus. Es umfasst die Formulierung stadt- und regionalentwicklungsrelevanter Strategien und Projekte ebenso wie die (Neu)-Programmierung von Räumen und die Vernetzung mit dem Umfeld.
Im Fokus der Erarbeitung des Masterplans standen folgende generelle Fragestellungen:
Fragestellungen
- Mit welchen gestalterischen und funktionalen Maßnahmen lässt sich ein Bild der Metropolregion Ruhr als regionales Profil an dem zentralen Verkehrsband vermitteln?
- Wie können die einzelnen Anrainerstädte in dieser regionalen Präsentation auch ihr jeweils eigenes, spezifisches Gesicht zeigen?
- Wie lässt sich dieser 75 km lange, besondere Stadtraum so gliedern und differenzieren, dass die Siedlungsstruktur der Region ablesbar und die Orientierung in der Region erleichtert wird?
- Welche Bedeutung kommt dem Verkehrsband als regionale Adresse für die Aufwertung vorhandener und die Entwicklung
neuer Standorte zu?
Konzeption und Bearbeitung
scheuvens + wachten
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