Logistische Bedeutung der A40

von Wolfgang Neuhoff, Stadt Duisburg

Von den drei das Ruhrgebiet in West-Ost-Richtung querenden Autobahnen hat die A40 bzw. die B1 den geringsten Anteil an Schwerlastverkehr. Betrachtet man z. B. drei für die Beurteilung der Verkehrsbelastung typische Punkte der Straßen miteinander, so ergibt sich folgendes Bi

  • A2 Höhe Oberhausen-Sterkrade : 127.000 Kfz/ Tag bei einem LKW-Anteil von 18,5%
  • A42 Höhe Oberhausen-West: ca. 100.000 Kfz/ Tag bei einem LKW-Anteil von 14 %
  • A40|B1 Höhe Essen-Kray: 111.000 Kfz/Tag bei einem LKW-Anteil von 8,7 %

Diese Zahlen spiegeln jeweils den durchschnittlichen Verkehr eines Werktages wieder.

Mit dem Wissen, dass die A40|B1 in weiten Teilen noch vierstreifig ist und die beiden anderen Autobahnen durchgängig sechsstreifig zu befahren sind, sind diese Zahlen auch zu verstehen: die A40 bzw. die B1 werden vom Transitverkehr gemieden, da dieser Straßenzug bei schwächerer Dimensionierung und ungefähr gleicher Verkehrsbelastung deutlich stauanfälliger ist, als die Autobahnen A2 und A42. Nicht ohne Grund trägt der sogenannte Ruhrschnellweg im Volksmund auch die Bezeichnung „Ruhrschleichweg“. Kein Tag vergeht, an dem dieser Straßenzug nicht mehrfach in den Staumeldungen des Verkehrsfunks auftaucht. Die auf der A40|B1 stark eingeschränkte Höchstgeschwindigkeit ist zwar für den LKW-Fahrer nicht von Bedeutung, ist andererseits aber für manchen PKWNutzer ein weiterer Grund den Ruhrschnellweg zu umfahren, wenn dies möglich ist.

Andererseits zeigen die Zahlen aber auch, dass die A40|B1 von fast 10.000 Lastkraftwagen täglich befahren wird. Das sind immerhin fast soviel wie auf der als Nord-Süd-Transitstrecke bekannten Sauerlandlinie A45. Die A40|B1 ist für den Ferngüterverkehr häufig lediglich Anfang- oder Endpunkt. So sind zwar große Teile der Duisburger Häfen oder der Hafen der Stadt Mülheim an der Ruhr über die A40 angebunden, die weitere Fahrt findet dann jedoch über A3 bzw. A42 oder A2 ihre Fortsetzung.

Der relativ geringe Transitverkehrsanteil auf dem Ruhrschnellweg bedeutet, dass viele der rund 10.000 täglichen LKW-Fahrten der direkten Belieferung der an A40|B1 gelegenen Städte bzw. Gewerbe- und Industriebetrieben dienen. Die Belieferung der Städte und Betriebe mit Waren des täglichen Bedarfs wäre ohne den Ruhrschnellweg kaum denkbar. Bezeichnend für diese Straße ist, dass viele Fahrten lediglich über relativ kurze Distanzen stattfi nden. So wird die Straße bedingt auch durch den geringen Abstand der einzelnen Aufund Abfahrten genutzt, um innerhalb einer Stadt von einem Stadtteil in den nächsten zu gelangen. Dies gilt natürlich nicht nur für den privaten PKW-Nutzer, sondern gleichfalls auch für den Warenverkehr. Wie selbstverständlich benutzt auch der Paketbote diese Autobahn auf seiner Auslieferungstour und das mitunter mehrmals hintereinander. Ohne den Ruhrschnellweg würde ein Grossteil des innerstädtischen bzw. kleinräumlichen Warenverkehrs über Stadtstraßen laufen und damit trotz der auf A40|B1 nur zu erreichenden relativ geringen Geschwindigkeit wesentlich länger unterwegs sein.

Die Funktion der Straße als Warenverteilmagistrale wird auch durch die Häufung von Verteilzentren entlang dieses Bandes deutlich. Angefangen im Westen mit dem Verteilzentrum der Lebensmittelkette Edeka, dem Duisburger Postverteilzentrum, mit Auslieferungslagern der Aldi-Kette in Mülheim an der Ruhr sowie Essen, des Plus-Auslieferungslagers sowie dem der Firma Medion reihen sich von West nach Ost mehrere große Verteilzentren an dieser Straße.

Aber auch die unzähligen großen wie kleinen Gewerbegebiete entlang der Straße wollen mit Waren versorgt werden, bzw. die hier produzierten Waren wollen verteilt werden. Ebenso müssen die Einzelhandelszentren sowie Fachmarktzentren täglich von Tausenden größeren und kleineren LKW beliefert werden. Diese Standorte profi tieren vom Ruhrschnellweg nicht nur durch die für die Kunden, sondern auch durch die für die Lieferanten gegebene gute Erreichbarkeit. Im Vergleich zu den beiden anderen die Metropole Ruhr in West-Ost-Richtung querenden Autobahnen A2 und A40 benutzen auffallend viele kleinere LKW und Lieferwagen die A40|B1. Der Ruhrschnellweg ist nicht die große Transitautobahn, sondern der Warenhighway für die Versorgung mehrerer Millionen Menschen und unzähliger Betriebe der Region.