- Einführung
- Drei Stränge, eine lange Tafel
- A40|B1 Regionaler Masterplan
- A40|B1 Gestalthandbuch
- B1|A40 Die Schönheit der großen Straße
- Ost-WestPassagen im Ruhrgebiet
- Die Straße im Bau
- Kommunale Rahmenpläne entlang der A40
- Logistische Bedeutung der A40
- Landschaft an der Autobahn
- Stadtsilhouette und Stadtwahrnehmung
- Auftakt und Eingang
- 75 km Hoffnung
Drei Stränge, eine lange Tafel und viele Beteiligte
von Jens Hendrix, Stadt Bochum
Die künstlerisch-wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der B1 und ihrem umgebenden Mythos setzte früh ein, exemplarisch stehen das Manifest der Künstlergruppe B1 [1969] um Günther Dohr, Friedrich Gräsel und Kuno Gonschior, der „poetischen Dokumentarfilm“ Diese furchtbare Straße [1996] der Filmemacher Michael Lang, Matthias Grünewald und Vila Richter sowie die Ausstellung Transit. Brügge – Novgorod [1994] des Ruhrlandmuseums Essen, das die Straße durch die europäische Geschichte beschreibt. Anfang 2000 fand die A40|B1 Eingang in die Stadtentwicklungsdebatte. Zum Auftakt ging die Herbstakademie 2001 zum Stadtraum B1 mit über hundert Studenten von 16 Hochschulen den Fragen nach, was die Straße für den Metropolraum bedeutet und mit welchen Strategien man sie in lokale und regionale Strukturen integrieren kann. Die Veranstaltung hat ihr Ziel erreicht: Neben der inhaltlichen Auseinandersetzung wurde das Thema platziert und die Relevanz einer interdisziplinären Betrachtungsweise herausgearbeitet. In der Folge wurde die Arbeit in unterschiedlichen Konstellationen fortgesetzt, Konstanten waren die Kommunen, Straßen.nrw und das Büro orange.edge sowie die Unterstützung der Initiative StadtBauKultur des Landes NRW.
Die Bewerbung zur Kulturhauptstadt Europas 2010 bestätigte den breiten Ansatz: Neben Verkehrs- und Stadtplanung rückten künstlerische Aspekte in den Vordergrund. Parallel entdeckte die Wirtschaftsförderung die B1|A40 als Wirtschaftsstandort mit großer Außenwirkung, der zudem verkehrlich prima angebunden ist. Um der räumlichen und thematischen Komplexität gerecht
zu werden wurde das Gesamtprojekt in Stränge zerlegt, die neben ihrer zeitgleichen Bearbeitung auch inhaltlich eng vernetzt wurden. Die personelle Kontinuität seitens der Bearbeiter unterstützte den integrativen Ansatz der Handlungsebenen. Letztlich konnten die Städte für drei Stränge Aufträge vergeben:
- Der Regionale Masterplan A40|B1 in Bearbeitung durch das Büro scheuvens + wachten, Dortmund zielt als Projekt der Nationalen Stadtentwicklungspolitik mit Förderung durch den Bund auf die an die Stadtautobahn grenzenden Entwicklungsflächen.
- Das Gestalthandbuch A40|B1 wird mit Städtebauförderung des Landes Nordrhein-Westfalen durch die Büros orange edge, Gelsenkirchen und Davids, Terfrüchte und Partner, Essen erstellt, um gemeinsam mit dem Straßenbaulastträger Ausbau- und Erneuerungsmaßnahmen in einen abgestimmten Designkanon zu setzen und ergänzende Gestaltprojekte zu befördern.
- B1|A40 – Die Schönheit der großen Straße als regionales Kunstprojekt mit rund 20 temporären Installationen wird von Markus Ambach Projekte, Düsseldorf kuratiert. Die Finanzierung erfolgt insbesondere durch die Kulturhauptstadt Ruhr.2010, die Kunststiftung Nordrhein-Westfalen sowie die Anrainerkommen.
Flankiert werden die Aktivitäten durch den medialen Höhepunkt der „Langen Tafel“ am 18.07.2010. Ruhr.2010 wird die Straße als regionalen Ort der Feier inszenieren, um so ein einprägsames Bild der Region jenseits der baulichen Ikonen zu schaffen.
Durch die vielfältigen Aktivitäten greifen Festivalisierung und kurzfristige Events mit langfristig ansgelegten Investitions- und Entwicklungsstrategien ineinander.
Erste Gestaltprojekte wie der barcode in Bochum-Wattenscheid und das Wunder von Essen sind realisiert, aktuelle Baumaßnahmen auf der Autobahn basieren bereits auf den Regeln des Gestalthandbuchs. Neben der interdisziplinären Herangehensweise werden somit verschiedene zeitliche Perspektiven bedient. Dies erfordert neben einem straffen Projektmanagement die Mobilisierung vieler Partner für das gemeinsame Vorgehen.
Als Projekt der Stadtregion Ruhr erfolgt die Steuerung des Vorhabens über den Lenkungskreis der Städteregion Ruhr 2030, dem Zusammenschluss der Kernstädte des Ruhrgebietes. Im Rahmen der Arbeitsteilung hat die Stadt Bochum die Federführung für das Projekt übernommen. Die Bearbeitung erfolgt in der Arbeitsgruppe A40|B1 mit Vertretern aller Kommunen. Neben den beauftragten Büros und dem Straßenbaulastträger Straßen.NRW sind verschiedene Institutionen als Partner in das Projekt eingebunden. Neben dem Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, dem Ministerium für Städtebau und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen und dem Europäischen Haus für Stadtkultur sind dies u. a. die Wirtschaftsförderung Metropole Ruhr, der Regionalverband Ruhr sowie die Kulturhauptstadt Ruhr.2010. Zu den einzelnen Projektsträngen wurden externe Fachberater zu sektoralen und räumlichen Fragestellungen hinzugezogen. Qualitätssicherung sowie Verbesserung von Akzeptanz und Kommunikation im Kunstprojekt „B1|A40 – Die Schönheit der großen Straße“ gewährleistet der eingesetzte Kunstbeirat.
Neben öffentlichen Projektvorstellungen und diversen Fachveranstaltungen fand eine breite politische Beteiligung in den Anrainerkommunen statt. Im Rahmen der öffentlichen Auslegung von Masterplan und Gestalthandbuch wurden Träger öffentlicher Belange um Stellungnahme gebeten. Die Anregungen finden in den Planwerken Berücksichtigung.
Wenn nach 2010 die Kunstprojekte weitestgehend abgeräumt sind, haben sie hoffentlich dazu beigetragen, einzelne Entwicklungsfl ächen in das Bewusstsein zu heben und gezeigt, welche Potentiale die Straße und der umgebende Stadtraum für die Kultivierung seiner Andersartigkeit und zur Außenwahrnehmung der Region bietet. Mit Gestalthandbuch und Masterplan liegen Voraussetzungen zur dauerhaften Entwicklung des Verkehrsbandes und seines Umfeldes vor, die durch begleitende Kontrakte der Städte und der Straßenbauverwaltung Umsetzungskraft entfalten können.


