- Einführung
- Drei Stränge, eine lange Tafel
- A40|B1 Regionaler Masterplan
- A40|B1 Gestalthandbuch
- B1|A40 Die Schönheit der großen Straße
- Ost-WestPassagen im Ruhrgebiet
- Die Straße im Bau
- Kommunale Rahmenpläne entlang der A40
- Logistische Bedeutung der A40
- Landschaft an der Autobahn
- Stadtsilhouette und Stadtwahrnehmung
- Auftakt und Eingang
- 75 km Hoffnung
B1|A40 – Die Schönheit der großen Straße
von Markus Ambach, Markus Ambach Projekte, Düsseldorf
B1|A40 – Eine Stadt entwirft sich selbst
Entlang der A40 hat sich im Schatten der Kernstädte ein eigenwilliger Stadtraum generiert, der durch das prognostizierte Verschmelzen der Ruhrstädte zur Metropole unvermittelt von der Peripherie zum Zentrum gewendet wird. In dieser einmaligen Umkehrung wird die „Große Straße“ vom problematischen Verkehrsraum zum Boulevard der Ruhrmetropole.
Analog dazu erscheinen Räume und Strategien im Umgang mit urbanen Situationen im Fokus, die sich dezentral im Schatten des öffentlichen Interesses generiert haben und bisher kaum beschrieben wurden. Nicht nur transitorische Räume prägen dabei einen neuen Typus von Stadt zwischen Lebensraum, Mobilität und Flexibilität. Strategien der individuellen Raumaneignung und selbst regulierte soziokulturelle Biotope in den Zwischenräumen von Stadt und Verkehrsinfrastruktur sind nur einige Phänomene, die diesen Raum umschreiben. Das Projekt B1|A40 befragt diese Zwischenräume und Raumgefüge auf ihre Strukturen und deren Bedingungen hin: Wie generieren sich Räume jenseits zielgerichteter Nutzungszuordnungen? Welche Räume entstehen unter den Bedingungen weitgehender Unsichtbarkeit und relativer Selbstverantwortung ihrer Protagonisten? Wie wirkt sich das Fehlen politischer Aufmerksamkeit auf die Gestaltung von Räumen aus? Entwickeln sich andere Ökonomien unter diesen speziellen „klimatischen“ Bedingungen? Bieten selbst regulierte Räume auch übertragbare Lösungsvorschläge für die Planung und welche Vermittlungsleistungen sind hier notwendig?
Internationale Bedeutung
Beispielhaft am Ruhrgebiet als einer der weltweit größten Städteagglomerationen stellt B1|A40 darauf folgende Fragen zur aktuellen Stadtentwicklung im internationalen Kontext und den künstlerischen Möglichkeiten in diesem Diskurs: Wohin entwickelt sich Stadt zwischen Dezentralität, Netzwerk und Metropole? Welche Schnittmengen sind zwischen globalen und lokalen Strukturen möglich? Wie entwirft sich Stadt unter den Bedingungen beschleunigter Aktualisierungsintervalle, akuter Landfl ucht und metropolem Identitätsverlust? Welche Formen der Teilhabe und Selbstverantwortung bietet die dezentrale Flächenstadt seinen Bewohnern? B1|A40 untersucht diese Fragen im interdisziplinären Dialog mit Künstlern, Planern, Architekten, Wissenschaftlern und Anliegern direkt im Kontext des Stadtraums A40. Die Ergebnisse dieser Arbeit manifestieren sich in einer Ausstellung zur Kulturhauptstadt Ruhr.2010 vom 12.06.2010 – 08.08.2010 mit umfangreichem Programmteil.
Die große Erzählung
Das Ausstellungsprojekt „B1|A40 – die Schönheit der großen Straße“ zeigt die Autobahn als große Erzählung entlang von Themenschwerpunkten, die sich von Duisburg bis Dortmund zu einer Choreografie von sechs verschiedenen Spielorten verdichten.
Neue Landschaften – Neue Strategien: Autobahnkreuz Kaiserberg, Duisburg
Durch das Verschmelzen der Ruhrstädte wird der Stadtraum A40 unvermittelt von der Peripherie zum Zentrum, zum urbanen Boulevard der neuen Ruhrmetropole. Im unsichtbaren Umfeld des Autobahnkreuzes Kaiserberg, wo das Fehlen des politischen und ökonomischen Interesses einen nahezu rechtsfreien Raum entstehen ließ, sind längst ungeahnte neue Landschaften entstanden. Seine Anwohner haben gezeigt, daß dieser schwierige Raum neue Chancen bietet. B1|A40 führt den Besucher zu diesen Orten und Menschen, zeigt ihren endlosen Einfallsreichtum im Umgang mit prekären Lebenssituationen und entwickelt mit ihnen Ideen für die neue, dezentrale „Metropole Ruhr“.
Globallokal – Neue Nähen: RheinRuhrZentrum, Mülheim an der Ruhr
Gerade aus der unmittelbaren Nähe lokaler und globaler Nachbarschaften ergibt sich entlang der großen Straße ein vielschichtiger, vitaler Stadtraum. Die Autobahn als Transit verbindet sich mit lokalen Ereignissen der Stadt wie die Global Player mit lokaler Produktion. An Rastplätzen, in Einkaufszentren und Wohngebieten trifft aufeinander, was sonst getrennt ist – und findet zu erstaunlich leichtem Miteinander. Die Straße wird der große Vermittler und Pate globallokaler Begegnungen, Partner- und Freundschaften, zum städtischen Raum Europas.
Roadmovie Ruhr – Neue Erzählungen: Dücker Weg, Bochum
All diese Erfahrungen, Geschichten und Möglichkeiten verschmelzen auf der Straße zur großen Erzählung, zum „Roadmovie Ruhr 2010”, für das das Projekt das Drehbuch schreibt. In diesen Film holt B1|A40 wirklich alle: die Besucher der Kulturhauptstadt, die Region, die städtischen Nachbarn, die Menschen vor Ort. Sie alle sind Zuhörer, Komplizen, Macher und Erzähler einer Region, die sich entlang der „Großen Straße“ neu erfindet. Sie denken gemeinsam diesen Stadtraum weiter – als die neue große Mitte der Region.
Neue Wege – Neue Straßen: Entlang der großen Straße
Wie geht Planung auf die schwierigen Bedingungen eines hochverdichteten Verkehrskorridors ein? Welche Gestaltungsmöglichkeiten bieten sich, wenn die Sicherheit bei 100 km|h im Vordergrund steht? Kann man zwischen Geschwindigkeit und Ort vermitteln? In exemplarischen Projekten aus dem soeben entstehenden Gestalthandbuch der Stadtplanergruppe orange.edge zeigen sich Antworten auf diese Fragen als manifest gebaute Umwelt.
Formate
Die Ausstellung umfaßt ein weites Spektrum an Äußerungsformen. Von Installationen, Interventionen, Performances, Führungen, Fotografi schen Arbeiten und Recherchen bis zu architektonischen Projekten und planerischen Umsetzungsstudien stehen interdisziplinäre und progressive Ausstellungsformate im Vordergrund.
Lokale Partner
Die Ausstellung wird in enger Zusammenarbeit mit den Anliegern vor Ort realisiert. Sie sind Partner, deren eigene Entwürfe Teil der Ausstellung werden z. B. Delikatfisch Braun, Autobahnkirche Epiphanias Gemeinde etc.. Damit schreibt sich B1|A40 intensiv und nachhaltig in den Kontext der A40 ein und entwickelt mit den Anwohnern Konzepte, die auch für aktuelle und folgende Planungsprozesse relevant sein werden.
Nachhaltigkeit
Im Verbund mit dem regionalen Masterplan A40 und dem Gestalthandbuch hat das Ausstellungsprojekt „B1|A40 die Schönheit der großen Straße“ die herausragende Aufgabe, langfristig und richtungsweisend über künstlerische Projekte nachhaltige Wirkungen auf den Planungsprozeß für diesen und andere Stadträume zu setzen. Als Projekt der Kulturhauptstadt Europas Ruhr.2010 stellt es zudem ein Bindeglied zwischen diesen Aktivitäten und dem Planungsprozess der Kommunen dar.
Ziele
Ziel der Ausstellung ist nicht nur die Sichtbarmachung des bisher nahezu unentdeckten Stadtraums entlang der A40. Sie versucht zusammen mit den Menschen vor Ort nachhaltig ein neues Bild der eigenen Identität zu entwickeln, um langfristig ein neues Selbstbewußtsein für die Region zu etablieren, die lange nach dem Strukturwandel weiterhin einer unbestimmten Zukunft entgegen steuert. Entlang der sozialen und politischen Erfahrungen der Protagonisten dieses ungewöhnlichen, extrem schwierigen Stadtraums soll eine Diskussion über dezentrale Stadtstrukturen, Selbstorganisation in öffentlichen Räumen und die Wirkungsweisen politischkultureller Verhältnisse angestoßen werden, um den Diskurs über Stadtentwicklungsfragen nachhaltig zu verändern und in neue Richtungen zu lenken.

