A40|B1 – Regionaler Masterplan

von Michael Hehenkamp und Prof. Rudolf Scheuvens, scheuvens + wachten, Dortmund

Der Ruhrschnellweg ist die zentrale Verkehrsachse des Ruhrgebietes. Der Weg bildet eine der drei wesentlichen Straßenpassagen, die sich in Ost-West-Richtung einen Weg durch das Siedlungsgeflecht des Ruhrgebietes bahnen. Aufgrund der hohen Verbindungs- und Verknüpfungsfunktion der Straße, der Vernetzung lokaler Wohn-, Lebens- und Arbeitsumfelder, ist der Ruhrschnellweg essentiell für das Leben in der Metro-polregion Ruhr. In erster Linie besitzt die A40|B1 eine erschließende Funktion für die – mit einer Dichte von annähernd 2000 Einwohnern pro km² – siedlungsstärksten Lagen des südlichen Ballungsraumes und verbindet die Kernzentren der „Metropole Ruhr“.

Lage, Funktion und Gesicht der Verkehrsader haben sich im Verlauf der Geschichte erheblich verändert. Die Gestalt des A40|B1 ist dabei eng an den Wandel des Ruhrgebietes geknüpft. So bündelt die Straße heute neben den „großen Stadtzentren“ eine Vielzahl neuer Zentren rechts und links der Fahrbahn aus jüngerer Zeit – wie das RheinRuhrZentrum. Diese befinden sich häufig an Standorten ehemals industriell genutzter Flächen. Aufgrund dieser hohen Vernetzungsfunktion besitzt das Band nicht nur eine große faktische, sondern ebenso eine hohe symbolische Bedeutung. Von der Straße aus werden vielfältige Einblicke in die „Metropole Ruhr“ ermöglicht. In diesem Sinne besitzt der Ruhrschnellweg die Funktion eines „Schaufensters“ der Region Ruhr. Damit erfährt der Verkehrs- bzw. Stadtraum an der A40|B1 eine besondere Rolle sowohl zur Imagebildung für die überregionale Außendarstellung als „Metropole im Werden“ wie auch für die Stiftung lokaler Identität für die ansässige Bevölkerung.

Im Zuge der verkehrstechnischen Optimierung des Ruhrschnellweges werden in den nächsten Jahren eine Reihe von Sanierungs- und Erneuerungsvorhaben durchgeführt. Geplant ist der sukzessive Ausbau der Fahrbahn auf sechs Fahrstreifen. Damit verbindet sich eine Reihe weiterer Modernisierungsmaßnahmen im direkten Umfeld des Straßenraumes, wie beispielsweise die Erneuerung verkehrstechnisch notwendiger Ingenieurbauwerke. Insbesondere durch die Erneuerung von Anlagen zum Schallschutz in den Randbereichen der Straße – die aufgrund erhöhter Anforderungen in einer Höhe von 6 Metern zu errichten sind – wird die Wahrnehmung des Stadtraumes beiderseits der Fahrbahn erheblich beeinträchtigt. Dies birgt die Gefahr, dass bestehende Raumbilder entlang dieser Passage künftig dem Blick entrückt werden.

Mit dem Ausbau der A40|B1 verbindet sich jedoch ebenso eine Reihe von Potentialen, um das räumliche Profil entlang dieser Verkehrsader zu schärfen und um eine Identität prägende Gestaltung an dem Verkehrsband herbeizuführen. Mit dem Entschluss der sieben Anrainerstädte, den Regionalen Masterplan A40|B1 zu erarbeiten, erfolgte ein wichtiger Schritt zur Umgestaltung dieses Mobilitätsbandes. Die Entscheidung erfolgte mit dem Ziel, aus einer integrativen und interdisziplinären Betrachtung heraus – aus den Blickwinkeln der Stadtentwicklung wie auch der Verkehrsplanung – eine zielführende Gesamtperspektive für die zukünftigen Gestaltung des Raumbandes bereitzustellen. Diese liegt nun mit dem Planwerk des Regionalen Masterplans A40|B1 vor und beinhaltet die umfassende Formulierung stadt- und regionalentwicklungsrelevanter Strategien und Projekte ebenso wie die (Neu)Programmierung von Räumen und die Vernetzung mit dem Umfeld.

Im Fokus der Erarbeitung des regionalen Masterplanes stand die Frage, wie dieser heterogene Stadtraum entlang des 75 Kilometer langen Verkehrsbandes derart gegliedert werden kann, dass das regionale Profil erkennbar, die angrenzende Siedlungsstruktur ablesbar und die Orientierungswirkung verbessert wird. In diesem Rahmen galt es, Handlungsansätze aufzuzeigen, wie die einzelnen Anrainerstädte ihre Wahrnehmbarkeit verbessern und ihr eigenes spezifische Gesicht räumlich an dem Verkehrsband ausbilden können.
Im Zuge der Erarbeitung wurden verschiedene räum-
liche Sequenzen definiert, deren individuelle Gestaltungen schon heute unterschiedliche Charaktere aufweisen und die jeweiligen Streckenabschnitte in besonderer Weise prägen. Neben der Sequenzbildung wurden mit einer Reihe von Leitlinien ein gemeinsamer Handlungsrahmen für die künftige Entwicklung des Stadtraumes entlang der A40|B1 aufgebaut:

  • Erlebbarkeit der Stadtlandschaft fördern!
  • Stärkung urbaner Sequenzen!
  • Gestaltung der Auftaktbereiche!
  • Ausbildung zentraler Eintrittskorridore!
  • Profilierung der RegioZONEN!
  • Qualifizierung von Standorten des Einzelhandels!
  • Nutzungsgerechte Entwicklung lärmsensibler Lagen!
  • Zeigen markanter Stadtbausteine!

Mit den Leitlinien sind Zielsetzungen verbunden, die eine einprägsame Gestaltung des Raumbandes herbeiführen sollen.

Vorrangiges Ziel des Regionalen Masterplanes ist es, die Wahrnehmbarkeit der polyzentrischen Struktur des Metropolraumes Ruhr zu verbessern und die Übergänge zwischen den angrenzenden Städten an der A40|B1 erlebbar werden zu lassen. Die in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Regionalen Grünzüge, die die Siedlungskerne voneinander abgrenzen, bieten hierfür ein Grundgerüst. Die Freihaltung von Blickbeziehungen in diese Landschaftsräume bieten die Chance, die Ablesbarkeit der Stadtlandschaft zu verbessern. Insbesondere die naturräumlichen Zäsuren der Auenlandschaft von Rhein, Ruhr und Emscher bilden besondere Aufmerksamkeitsbereiche.

Zur Stärkung der Verbindungsfunktion und um die Verknüpfung des Verkehrsbandes mit den Innenstädten zu verbessern, definiert der Masterplan zentrale Einfahrtskorridore zu den Stadtkernen. Die Ausbildung markanter Eingänge als Visitenkarten der Städte soll dazu beitragen, den Wiedererkennungswert dieser Stadteinfahrten zu verbessern. Ebenso bietet sich mittels markanter Gebäude, die rechts und links der Fahrbahn in den Blickwinkel rücken und die Identität der jeweiligen Orte eindrucksvoll prägen, die Möglichkeit, die Orientierung entlang des 75 Kilometer langen Streckenabschnittes zu fördern.

Eine Besonderheit innerhalb der Raumstruktur der großen Straße stellen diejenigen Raumsequenzen dar, in denen die Fahrbahn unmittelbar durch innerstädtische Bereiche an der vorhandenen Bebauungsstruktur vorbei geführt wird. Der Ruhrschnellweg nimmt in diesen Abschnitten den Charakter einer Stadtstraße an. In den letzten Jahren ist an einzelnen Standorten – wie der ADAC Hauptverwaltung in Dortmund – deutlich geworden, welches Potential einzelne Lagen an der A40|B1 für die Adressbildung besitzen.

Die urbanen Sequenzen werden von Zonen unterbrochen, die weniger städtisch ausgeformt sind. Sie weisen eher den landschaftlichen Charakter typischer Autobahnen auf, mit dem Unterschied, dass in geringen Abständen einzelne Standorte mit Ihrer Bebauung auf sich aufmerksam machen. Meist weisen diese – wie beispielsweise die Agglomerationsräume des Einzelhandels – eine eher monofunktionale Nutzungsstruktur auf. Je nach Funktion werden mit dem regionalen Masterplan A40|B1 für die jeweiligen Nutzungsschwerpunkte – wie Einzelhandel, Wirtschaft oder Wohnen – entsprechende Ziele für deren Entwicklung benannt.

Darüber hinaus lag ein weiteres Handlungsfeld in der Identifikation einzelner Standorte, die das Potential beinhalten, die Profilbildung des Metropolraumes Ruhr prägend mitzugestalten. Mit dem Masterplan sind eine Reihe so genannter „RegioPOLE“ benannt worden, bei denen die Aufwertung und das qualitative „Sichtbar-Machen“ vorhandener und künftiger Standorte ein Schwerpunkt darstellt. Für deren Entwicklung wurde ein übergeordnetes Gestaltungskonzept erarbeitet. Anhand vertiefender Untersuchungen wurde exemplarisch aufgezeigt, wie die erarbeiteten Leitlinien und Planungsgrundsätze räumlich ineinander greifen.
Im Zuge der Realisierung der Projekte wird es erforderlich sein, die Entwicklungen auf regionaler Ebene abzustimmen. Die Formen der interkommunalen und Institutionen übergreifenden Zusammenarbeit, die während der Erarbeitung des Masterplanes aufgebaut worden sind, gilt es zu verfestigen und weitere Partner in den Prozess einzubeziehen. Um einen nachhaltigen Impuls zur Profilierung der A40|B1 auszulösen, wird es darauf ankommen, das Handeln unterschiedlicher Akteure aufeinander abzustimmen und das Band der A40|B1 als neue gemeinsame Standortadresse der Metropole Ruhr zu etablieren.